Dein Team funktioniert nicht, obwohl alle beschäftigt sind

Ein Team kann unglaublich beschäftigt sein und trotzdem nicht wirklich zusammenarbeiten. Aufgaben werden erledigt, Termine eingehalten, Sitzungen abgehalten. Nach aussen läuft es. Und trotzdem spüren die Menschen im Team längst: Irgendetwas stimmt nicht mehr.

Oft höre ich Sätze wie: «Unser Team funktioniert nicht wirklich, aber man kann halt nichts machen.» Dahinter steckt selten Faulheit oder fehlender Wille. Viel häufiger erzählen Mitarbeitende, dass niemand ihre Erfahrung wirklich ernst nimmt. Entscheidungen treffen Menschen, die den Alltag an der Front kaum kennen. Die Mitarbeitenden dürfen zwar ihre Meinung sagen, erleben aber immer wieder, dass am Ende längst alles entschieden ist.

Resignation beginnt dort, wo Mitreden zur leeren Geste wird.

Teamprobleme beginnen oft lange vor dem offenen Konflikt

Ein Team kann nach aussen funktionieren und innerlich längst auseinanderdriften. Die Teammitglieder sprechen vorsichtiger miteinander, helfen einander weniger oder behalten Einwände lieber für sich.

Das Interessante ist: Man sieht diese Dinge nicht immer sofort.

In meiner Werkstatt erlebe ich immer wieder, wie beim gemeinsamen Gestalten plötzlich sichtbar wird, was vorher nur schwer zu greifen war. Wer übernimmt sofort? Wer hält sich eher zurück? Wie gut hören die Menschen einander zu? Und wer setzt am Ende seine Idee durch? Was passiert, wenn etwas nicht funktioniert und das Team gemeinsam eine neue Lösung finden muss?

Metall verzeiht einiges. Aber beim gemeinsamen Arbeiten zeigt sich ziemlich schnell, wenn Menschen gegeneinander statt miteinander ziehen.

Ein gemeinsames Werk entsteht nicht dadurch, dass alle dasselbe tun. Es entsteht, wenn unterschiedliche Menschen ihren Teil beitragen und daraus etwas Gemeinsames wachsen kann.

Teamprobleme sind deshalb selten einfach nur schlechte Stimmung. Oft zeigen sie, dass Vertrauen, Klarheit, Beteiligung oder eine gemeinsame Richtung fehlen.

Wer diese Signale früh ernst nimmt, muss später weniger Scherben zusammenkehren.

Die fünf Dysfunktionen erklären einiges, aber nicht alles

Patrick Lencioni beschreibt in seinem Modell fünf Dysfunktionen eines Teams: fehlendes Vertrauen, die Scheu vor Konflikten, mangelnde Verbindlichkeit, das Vermeiden von Verantwortung und eine zu geringe Ergebnisorientierung.

Diese Einordnung kann hilfreich sein. Solange daraus keine Etiketten für einzelne Menschen werden.

Ein Teammitglied ist nicht automatisch schwierig, nur weil es widerspricht. Vielleicht sieht diese Person etwas, das andere nicht sehen. Vielleicht kennt sie ein Problem aus dem Arbeitsalltag, das bei einer Entscheidung schlicht nicht berücksichtigt wurde.

Ein Konflikt ist nicht das Gegenteil von guter Teamarbeit.

Er kann ein Hinweis darauf sein, dass etwas Wichtiges bisher keinen Platz hatte.

Schwierig wird es, wenn Konflikte persönlich werden oder dauerhaft unter den Teppich gekehrt werden. Ohne Vertrauen wird geschwiegen. Ohne offene Kommunikation im Team bleiben wichtige Informationen liegen. Und ohne Klarheit übernimmt am Ende niemand wirklich Verantwortung.

Wer nicht ernst genommen wird, zieht sich irgendwann zurück

Wenn mir jemand resigniert erzählt, das Team funktioniere nicht mehr, interessiert mich zuerst eine andere Frage:

Was wird hier eigentlich nicht gehört oder gesehen?

Die Antworten darauf sind oft erstaunlich konkret.

Manche Führungskräfte treffen Entscheidungen über die Köpfe der Mitarbeitenden hinweg. Verantwortlichkeiten wechseln, ohne dass jemand sie sauber klärt. Teamziele stehen in einer Präsentation, haben aber wenig mit dem tatsächlichen Arbeitsalltag zu tun. Oder eine Veränderung soll umgesetzt werden, obwohl ein Teil des Teams überhaupt nicht versteht, wohin die Reise gehen soll.

Das schwächt die Zusammenarbeit im Team.

Menschen hören irgendwann auf, konstruktiv mitzudenken, wenn ihre Erfahrung regelmässig keine Rolle spielt. Sie erledigen weiterhin ihre Aufgaben, bringen sich aber nicht mehr wirklich ein.

Dass die emotionale Bindung von Mitarbeitenden an ihr Unternehmen eine wichtige Rolle spielt, zeigen auch die Ergebnisse des Gallup Engagement Index Deutschland. Gallup untersucht dabei unter anderem die emotionale Bindung von Beschäftigten und deren Verhältnis zu ihrem Arbeitgeber.

Auch Markt und Mittelstand berichtet über eine Randstad-Studie zu fehlender Wertschätzung am Arbeitsplatz und deren Zusammenhang mit Motivation und Produktivität.

Für mich beginnt das eigentliche Problem deshalb nicht beim ersten Streit.

Ein Team scheitert selten plötzlich. Es wird vorher lange überhört.

Andrea zeigt in Werkstatt Schweissen

Zusammenarbeit im Team verbessern heisst nicht, dass alle einer Meinung sein müssen

Gute Zusammenarbeit bedeutet für mich nicht Harmonie um jeden Preis.

Menschen dürfen unterschiedliche Meinungen haben. Sie dürfen Dinge anders sehen, andere Fähigkeiten mitbringen und auch einmal miteinander ringen.

Entscheidend ist, ob diese Unterschiede Teil eines gemeinsamen Prozesses werden können.

Dazu braucht es Klarheit:

  1. Beobachtungen aussprechen: Was passiert tatsächlich, ohne sofort einzelne Menschen zu bewerten?
  2. Erfahrungen einbeziehen: Was wissen die Mitarbeitenden aus ihrem Arbeitsalltag, das bei Entscheidungen berücksichtigt werden muss?
  3. Gemeinsame Richtung klären: Wissen alle, worauf das Team eigentlich hinarbeitet?
  4. Verantwortung sichtbar machen: Wer entscheidet? Wer setzt um? Wer muss vorher gehört werden?
  5. Vereinbarungen überprüfen: Was hat sich tatsächlich verändert und was ist nach kurzer Zeit wieder versandet?

Methoden, Retrospektiven oder Workshops können dabei helfen. Sie lösen aber nichts, wenn danach alles weitergeht wie vorher.

Teamentwicklung beginnt dort, wo aus Erkenntnis tatsächliches Handeln wird.

Manchmal reicht Reden allein nicht mehr

Wir versuchen sehr viel über Sprache zu lösen.

Noch ein Meeting. Noch eine Präsentation. Noch eine Diskussion darüber, wie Zusammenarbeit besser funktionieren könnte.

Das kann sinnvoll sein. Aber manchmal haben Teams längst alles gesagt.

Dann braucht es einen anderen Zugang.

Ich arbeite deshalb mit Teams nicht nur über das Gespräch, sondern über das gemeinsame Machen. Mit Metall, Feuer, Farbe und anderen Materialien entsteht etwas, das vorher noch keine Form hatte.

Dabei geht es nicht darum, dass am Ende alle Künstlerinnen und Künstler sind.

Es geht darum, gemeinsam Entscheidungen zu treffen, auszuprobieren, zu verwerfen, Verantwortung zu übernehmen und etwas entstehen zu lassen.

Plötzlich wird sichtbar, was in einer Besprechung leicht abstrakt bleibt.

Wer übernimmt Raum? Wie hören die Menschen einander zu? Was passiert, wenn etwas nicht funktioniert? Können wir eine eigene Idee loslassen, damit etwas Gemeinsames entstehen kann? Und wie verändert sich der Prozess, wenn nicht einer das Ergebnis bestimmt, sondern viele unterschiedliche Teile zusammenkommen?

Ein Thema bekommt eine Form

Genau dort liegt für mich heute der spannende Teil meiner Arbeit mit Unternehmen.

Ein Team bringt etwas mit, das gerade wirklich ansteht.

Das kann eine gemeinsame Vision sein. Eine Veränderung im Unternehmen. Neue Werte. Eine Zusammenarbeit, die nicht mehr funktioniert. Eine Idee, die bisher nur in den Köpfen existiert. Oder die Frage, wohin sich ein Team gemeinsam entwickeln will.

Wir nehmen dieses Thema nicht nur auseinander und reden darüber.

Wir geben ihm gemeinsam eine Form.

Aus Gedanken werden Materialien. Aus unterschiedlichen Vorstellungen entstehen Entscheidungen. Aus einzelnen Teilen entwickelt sich Schritt für Schritt etwas Gemeinsames.

Das entstandene Werk kann danach im Unternehmen bleiben.

Nicht als hübsche Dekoration.

Sondern als sichtbares Zeichen für einen Prozess, den das Team selbst durchlaufen und gestaltet hat.

Was passiert, wenn die Zusammenarbeit im Team nicht mehr funktioniert?

Dann würde ich nicht als Erstes fragen: Wer ist schuld?

Interessanter sind andere Fragen:

Was ist zwischen den Menschen verloren gegangen? Wo fehlt Klarheit? Was wird nicht ausgesprochen? Welche unterschiedlichen Vorstellungen gibt es? Was entscheidet die Führung, ohne dass das Team die Entscheidung wirklich trägt? Und gibt es überhaupt noch ein gemeinsames Bild davon, wohin dieses Team will?

Genau dort kann Veränderung beginnen.

Nicht indem alle plötzlich gleich denken.

Sondern indem sichtbar wird, was tatsächlich da ist.

Warum funktioniert mein Team nicht?

Oft fehlt es nicht an Können oder Einsatz. Es fehlen Vertrauen, gemeinsame Teamziele, klare Verantwortlichkeiten oder echte Beteiligung.

Manchmal entstehen Entscheidungen zu weit weg vom Arbeitsalltag. Mitarbeitende fühlen sich dann übergangen und ziehen sich zurück.

Die Frage lautet deshalb nicht nur: Wer stört?

Sondern:

Welche Bedingungen verhindern gerade gute Zusammenarbeit?

Wie wichtig gemeinsam getragene Ziele dabei sind, beschreibe ich auch in meinem Beitrag Teamziele definieren heisst, gemeinsam Klarheit zu schaffen.

Was tun bei schlechter Stimmung im Team?

Schlechte Stimmung ist ein Signal und noch keine Diagnose.

Ich würde deshalb nicht sofort nach einem Schuldigen suchen. Interessanter ist die Frage, wann sich etwas verändert hat.

Gab es eine Entscheidung? Eine Umstrukturierung? Eine neue Führung? Dauerhafte Überlastung? Einen Konflikt, über den nie richtig gesprochen wurde? Oder das Gefühl, dass die eigene Arbeit und Erfahrung nicht mehr zählt?

Erst wenn solche Dinge sichtbar werden dürfen, kann sich tatsächlich etwas verändern.

Wird Teamwork überschätzt?

Nein.

Aber Teamwork wird oft falsch verstanden.

Menschen arbeiten nicht automatisch gut zusammen, nur weil sie derselben Abteilung angehören oder gemeinsam in einem Organigramm stehen.

Gute Teamarbeit braucht Klarheit, Verlässlichkeit, Verantwortung und die Erfahrung, dass der eigene Beitrag zählt.

Fehlt das dauerhaft, wird aus Zusammenarbeit irgendwann ein Nebeneinander mit gemeinsamem Kalender.

Ein Team braucht keine Show, sondern eine gemeinsame Erfahrung

Wenn ein Team nicht mehr richtig funktioniert, hilft es wenig, schlechte Stimmung hübsch zu verpacken.

Und manchmal braucht es auch nicht das nächste klassische Teamevent.

Es braucht einen Raum, in dem Menschen wieder miteinander handeln, Entscheidungen treffen, ausprobieren und erleben können, dass ihr eigener Beitrag Teil von etwas Grösserem wird.

Genau solche Prozesse gestalte ich mit Unternehmen und Teams.

Manchmal ist das ein intensiver gemeinsamer Tag. Manchmal entwickelt sich daraus eine Zusammenarbeit über mehrere Termine oder Monate.

Das Thema gibt den Weg vor.

Wir starten mit dem, was in eurem Unternehmen gerade sichtbar werden soll: einer Vision, einer Veränderung, einer gemeinsamen Ausrichtung oder etwas, das bisher schwer in Worte zu fassen ist.

Dann nehmen wir es gemeinsam in die Hände und geben ihm Form.

Nicht als Show. Nicht als aufgesetzte Harmonie. Und nicht mit der Erwartung, dass danach plötzlich alles perfekt ist.

Sondern als echter gemeinsamer Prozess, aus dem etwas entstehen kann, das bleibt.

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Mit kreativen Grüssen aus der Werkstatt

Andrea Stahl

Foto von Andrea Stahl

Andrea Stahl

Andrea Stahl ist Künstlerin und begleitet seit über 30 Jahren Menschen in kreativen Prozessen. In ihrer Arbeit verbindet sie Kunst, Lebenserfahrung und echte Transformation. Sie schreibt über Kreativität, persönliche Entwicklung, innere Klarheit, Heilung und die Kraft, durch Gestalten wieder mit sich selbst in Kontakt zu kommen.

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