Frauenpower bedeutet nicht, immer stark sein zu müssen

Frauenpower klingt schnell nach Kraft, Sichtbarkeit und Durchziehen. Nach Powerfrauen, die alles im Griff haben, souverän auftreten und nebenbei noch ihr eigenes Netzwerk pflegen. Ich mag dieses Wort, und gleichzeitig werde ich vorsichtig, wenn es zu glatt wird. Für mich ist Frauenpower nicht nur Stärke im Aussen, sondern auch der ehrliche Kontakt mit dem, was darunter liegt.

Frauenpower entsteht nicht durch ständiges Durchziehen, sondern durch Stimmigkeit. Wenn Du stark sein willst, ohne hart zu werden. Wenn Du merkst, dass Power nicht nur im Aussen sitzt, sondern auch im Körper, in der Klarheit und in der Verbindung mit Dir selbst. Frauenpower bleibt nur lebendig, wenn sie mit Dir verbunden ist, nicht mit einem Bild von Dir.

Frauenpower bedeutet nicht, immer stark sein zu müssen andrea am Arbeiten

Frauenpower beginnt dort, wo Du nicht mehr nur funktionierst

Viele Frauen kennen dieses innere Bild. Stark sein. Weitergehen. Nicht jammern. Noch ein Projekt stemmen, noch ein Gespräch führen, noch eine Entscheidung treffen. Von aussen sieht das oft nach Power aus. Innen kann es sich aber anfühlen wie ein Metallstück, das zu lange im Feuer lag.

Frauenpower wird schwierig, wenn sie zum Anspruch wird. Dann ist sie kein lebendiger Ausdruck mehr, sondern eine Rolle. Du sollst mutig sein, sichtbar, klar, erfolgreich, verbunden, kreativ und bitte dabei auch noch entspannt. Das klingt nach einem schönen Poster, aber nicht nach einem echten Leben.

Für mich ist Frauenpower nicht das dauernd starke Auftreten. Sie ist Präsenz. Sie ist Kontakt. Sie ist die Fähigkeit, mitten im Trubel kurz hinzuspüren und dann eine saubere Entscheidung zu treffen. Nicht perfekt, aber ehrlich.

Echte Frauenpower zeigt sich für mich oft in ganz einfachen Dingen:

  • Du sagst Ja, und meinst Ja.
  • Du sagst Nein, und erklärst Dich nicht kaputt.
  • Du merkst, wann Dein Körper schon längst abgewunken hat.
  • Du gehst einen Schritt zurück, bevor Du über Deine Grenze gehst.

Das ist nichts für Poster. Aber es hält Dich zusammen. Und genau darum ist es so wertvoll.

In der Selbständigkeit zeigt sich Frauenpower nicht als Strahlendes Bild

Als Künstlerin, die seit 30 Jahren von meiner Arbeit lebt, kenne ich diese Kraft in vielen Formen. Selbständigkeit klingt von aussen oft frei und selbstbestimmt. Das ist sie auch. Aber sie ist nicht nur das.

Sie ist auch Unsicherheit, Verantwortung, Durchhalten, Rechnungen schreiben, Entscheidungen treffen und immer wieder neu anfangen. Eine Meta-Studie der Universität St.Gallen fasst 94 Studien aus 82 Ländern zusammen und zeigt: Selbständigkeit kann das Wohlbefinden erhöhen, vor allem wegen der grösseren Autonomie. Gleichzeitig macht sie Menschen nicht automatisch weniger belastet. Die Forschenden beschreiben es sinngemäss so: Unternehmertum macht glücklicher, aber nicht weniger unglücklich. Genau dort liegt die Spannung, die viele selbständige Frauen kennen. Mehr Freiheit bedeutet eben auch mehr Verantwortung, mehr Erreichbarkeit und manchmal weniger echten Feierabend.

Das deckt sich mit meiner Erfahrung. Selbständigkeit ist kein glänzendes Freiheitsticket, das einem morgens mit Kaffee serviert wird. Sie ist ein Weg, auf dem Du Dich selber führen musst. Manchmal läuft alles rund. Manchmal ist es holprig wie eine Waldstrasse. Manchmal mit Farbe an den Händen und einem Kopf, der zu voll ist.

Ich habe nicht jeden Tag Glück gespürt. Ich habe aber sehr oft gespürt, was es braucht. Manchmal war Frauenpower für mich Mut. Manchmal war sie aber auch das Gegenteil. Ich habe gemerkt, dass ich gerade nur noch funktioniere. Dass ich zwar arbeite, aber nicht mehr bei mir bin.

Die heikle Stelle liegt dort, wo Frauenpower zum Kostüm wird. Aussen stramm, innen müde.
Aussen hilfreich, innen leer.

Ich habe gelernt, mir eine Frage zu stellen, die nicht nett klingt, aber sehr ehrlich ist:

Will ich das gerade wirklich, oder will ich nur nicht (mich) enttäuschen?

Wenn Du diese Frage zulässt, beginnt etwas. Leise, aber klar zu wachsen zu deiner inneren Klarheit und Wahrheit.

Frauenhände die gemalt haben

Ein gutes Frauennetzwerk trägt nicht durch Lautstärke, sondern durch Echtheit

Netzwerk mit Frauen kann wunderschön sein. Es kann nähren, stärken und Türen öffnen. Es kann diesen einen Satz bringen, den Du gerade gebraucht hast. Oder diese eine Begegnung, nach der Du wieder gerader stehst. Vielleicht kommt dieser Satz von einer Freundin, vielleicht von einer Unternehmerin, die schon länger unterwegs ist, vielleicht von einer Frau, die gerade selber sucht.

Auch die Forschung zu Unternehmerinnen zeigt, dass soziale Netzwerke nicht nur nette Kontakte sind. Eine Studie zu weiblich geführten Unternehmen in Uganda untersuchte 540 Frauen und fand einen Zusammenhang zwischen Zugehörigkeit zu sozialen Netzwerken und Wachstumsambitionen. Gleichzeitig zeigt die Studie auch, dass nicht jede Form von Netzwerk automatisch trägt. Genau das finde ich wichtig. Ein Netzwerk wirkt nicht, nur weil es existiert. Es muss ehrlich, brauchbar und menschlich sein.

Aber auch hier gibt es Tücken. Ein Frauennetzwerk ist nicht automatisch ehrlich, nur weil Frauen darin sind. Auch dort können Vergleich, Konkurrenz, Anpassung und alte Muster mit am Tisch sitzen. Manchmal fein versteckt unter freundlichen Worten. Wir kennen das. Der Mensch bleibt Mensch, auch mit Lippenstift oder Schweissgerät in der Hand.

Für mich entsteht ein gutes Netzwerk nicht durch viele Kontakte, sondern durch echte Zusammenarbeit. Durch Frauen, die nicht nur feiern, wenn alles gut läuft, sondern auch bleiben, wenn es wackelt. Frauen, die einander unterstützen, ohne sofort einen Nutzen daraus ziehen zu müssen.

Was trägtWas eher auslaugt
Ehrliche GesprächeDauervergleich
Gegenseitige UnterstützungStändiges Besserwissen
Raum für SchwächeNur Erfolgsbilder
Klare GrenzenSchuldgefühle
Freude am Wachstum der anderenVerdeckte Konkurrenz
Gemeinsames ZielJede kämpft nur für sich

Wenn Frauen einander nicht kleinhalten, sondern wahrnehmen, entsteht eine Kraft, die nicht schwächt.
Sie steht einfach im Raum und gibt Sicherheit und Vertrauen.

Echte Frauenpower braucht Selbstmitgefühl und klare Grenzen

Selbstmitgefühl klingt im ersten Moment vielleicht weich. Für mich ist es aber etwas sehr Praktisches. Es bedeutet nicht, sich alles schönzureden oder sich aus Verantwortung herauszunehmen. Es bedeutet, sich selbst nicht fertigzumachen, wenn etwas schwierig ist. Gerade als Frau in der Selbständigkeit ist das wichtig, weil Arbeit, Leben, Verantwortung und innere Ansprüche oft ineinanderlaufen.

Eine Studie im Work-Family-Kontext fand, dass Selbstmitgefühl mit weniger Konflikten zwischen Arbeit und Privatleben und mit mehr Balance zusammenhängt. Das ist kein weicher Zusatz, sondern ziemlich handfest. Gerade für eine Frau in der Selbständigkeit kann das wichtig sein, weil Arbeit und Leben oft nicht sauber getrennt sind.

Für mich gehört das mitten in die Frauenpower hinein. Denn was nützt die stärkste Energie, wenn sie Dich dauernd über Deine Grenze schiebt? Was nützt ein Netzwerk, wenn Du Dich dort nur noch beweisen musst? Was nützt Selbständigkeit, wenn Du Dich selbst darin verlierst?

Wahre Frauenpower kommt nicht aus Dauerleistung. Sie kommt aus Kontakt. Mit Deinem Körper, Deiner Wahrheit, Deiner Seele, Deiner Verletzlichkeit und Deiner schöpferischen Kraft. Sie darf Kraft haben. Sie darf weich sein. Sie darf Fehler machen. Sie darf sich neu sortieren. Sie darf einfach SEIN.

Welche Fragen sich Frauen über echte Frauenpower stellen

Muss ich immer stark sein, um Frauenpower zu leben?
Nein. Genau das ist für mich ein Missverständnis. Frauenpower heisst nicht, immer kraftvoll zu sein. Sie heisst, ehrlich mit Deiner Kraft umzugehen. Dazu gehört auch Müdigkeit, Zweifel, Wut, Trauer und Rückzug.

Ist Frauenpower nur etwas für Powerfrauen?
Nein. Dieses Wort Powerfrauen kann stärken, aber es kann auch einengen. Nicht jede Frau will dauernd als starkes Vorbild funktionieren. Manche Frauen erreichen sehr viel, gerade weil sie nicht gegen sich arbeiten, sondern ihren eigenen Rhythmus ernst nehmen.

Was hat Frauenpower mit Kreativität zu tun?
Sehr viel. Kreativität bringt Dich aus dem reinen Denken ins Tun. Du merkst beim Gestalten oft schneller, wo Du festhältst, wo Du Dich zurücknimmst und wo wieder Leben in Dir ist. Material lügt nicht gross herum. Es zeigt, was da ist.

Warum ist ein Frauennetzwerk in der Selbständigkeit so wichtig?
Weil Selbständigkeit sonst schnell einsam wird. Du brauchst Menschen, die Deine Fragen verstehen, ohne dass Du alles lange erklären musst. Frauen, die wissen, wie es ist, Verantwortung zu tragen und trotzdem weich bleiben zu wollen.

Was kann Frauenpower für die Zukunft von Frauen und Mädchen bedeuten?
Für mich bedeutet es, dass Frauen und Mädchen nicht nur lernen sollen, stark zu wirken. Sie sollen lernen, sich selbst zu vertrauen. Mit Körper, Kopf, Gefühl und eigener Stimme. Das ist Empowerment, das nicht aufgesetzt ist, sondern von innen kommt.

Kann Frauenpower auch zu viel werden?
Ja. Wenn sie gegen Deinen Körper und Seele arbeitet, wenn Du ständig über Deine Grenzen gehst oder nur noch einem Bild entsprichst. Dann wird aus Kraft Druck. Und Druck ist keine Quelle. Druck ist Druck.

Frauenpower bleibt lebendig, wenn sie mit Dir verbunden ist

Frauenpower ist für mich kein Dauerzustand. Sie ist eine Bewegung. Manchmal trägt sie Dich. Manchmal fordert sie Dich heraus. Und manchmal zeigt sie Dir ziemlich klar, dass Du gerade einem Bild hinterherrennst, das gar nicht Deins ist.

Wahre Frauenpower entsteht nicht daraus, härter zu werden. Sie entsteht, wenn Du Dich selber wieder ernst nimmst. Mit Deiner Stärke, Deiner Verletzlichkeit, Deiner schöpferischen Kraft und Deinen Grenzen. Nicht als Widerspruch, sondern als Ganzes.

In der Selbständigkeit und im Netzwerk mit Frauen kann genau das sichtbar werden. Wir müssen nicht alle gleich sein. Wir müssen auch nicht immer glänzen und strahlen. Aber wir dürfen Räume schaffen, in denen echte Kraft wachsen kann. Nicht gegen uns, sondern mit uns.

So kann Frauenpower ein Ziel haben, ohne eng zu werden. Sie kann Unabhängigkeit stärken, ohne einsam zu machen. Sie kann Zusammenarbeit fördern, ohne dass sich eine Frau verbiegen muss. Und sie kann eine Zukunft öffnen, in der Frauen nicht nur leisten, sondern sich selber ernst nehmen.

Wenn Du spürst, dass Du Deine eigene Frauenpower wieder klarer fühlen möchtest, nicht als Druck, sondern als ehrliche Kraft aus Dir heraus, dann lade ich Dich herzlich zu einem kostenlosen Analysegespräch ein.

Künstlerin A. Stahl

Mit Frauenpower Grüssen aus der Werkstatt

Andrea Stahl

Foto von Andrea Stahl

Andrea Stahl

Andrea Stahl ist Künstlerin und begleitet seit über 30 Jahren Menschen in kreativen Prozessen. In ihrer Arbeit verbindet sie Kunst, Lebenserfahrung und echte Transformation. Sie schreibt über Kreativität, persönliche Entwicklung, innere Klarheit, Heilung und die Kraft, durch Gestalten wieder mit sich selbst in Kontakt zu kommen.

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